Ratgeber Haushalt: Darum wird der Strompreis nicht nach Verbrauch abgerechnet

(djd). Die meisten Verbraucher in Deutschland haben keine Ahnung, wie viel Strom ihr Haushalt tatsächlich verbraucht: In der Umfrage eines Vergleichsportals vom Juni 2018 etwa gaben 42 Prozent der Befragten an, nicht zu wissen, wie viele Kilowattstunden Strom sie im Vorjahr verbraucht haben. Und ein Drittel der Befragten musste zugeben, nur eine ungefähre Vorstellung davon zu haben. So erklärt sich auch ein anderes Ergebnis der Umfrage: Rund 57 Prozent der Verbraucher verstehen nicht, warum sie bei der Gesamtabrechnung nachzahlen müssen oder manchmal auch Geld zurückbekommen.

 

Wenn Familien ihre Stromgesamtabrechnung bekommen, wissen sie im Vorhinein nie, ob sie nachzahlen müssen oder Geld zurückbekommen.
Wenn Familien ihre Stromgesamtabrechnung bekommen, wissen sie im Vorhinein nie, ob sie nachzahlen müssen oder Geld zurückbekommen.
Foto: djd/BEV/Getty

 

Monatliche Abschläge sorgen für Verwirrung

Im Gegensatz etwa zur Telefonrechnung wird beim monatlichen Abschlag nur für einen geschätzten Verbrauch gezahlt und nicht für den tatsächlichen Verbrauch. Die Abschlagszahlungen sind also Vorauszahlung für den voraussichtlichen Stromverbrauch. Der Grund für dieses System liegt darin, dass bei der Stromversorgung drei Akteure zusammenspielen: die Stromerzeuger, die Versorger und die Netzbetreiber, die die Leitungen bereitstellen. Den tatsächlichen Stromverbrauch messen die Netzbetreiber. Sie melden aber nur einmal im Jahr ihre Ergebnisse an die Versorger. Die können erst dann genau abrechnen, wie viel ihr Kunde zu zahlen hat. Bei der Höhe der Abschlagszahlungen orientiert sich der Stromanbieter an den Werten des Vorjahres oder den Durchschnittswerten vergleichbarer Haushalte. Am Ende des Jahres überprüft er, wie viel Geld bereits bezahlt und wie viel Strom tatsächlich verbraucht wurde. Hat man mehr bezahlt, als Strom verbraucht wurde, gibt es Geld zurück. Wenn nicht, wird eine Nachzahlung fällig.

 

 

Durch Tarifwahl Nachzahlungen vermeiden

Durch die Wahl des richtigen Tarifs können Verbraucher hohe Nachzahlungen vermeiden. „Der Strompreis setzt sich aus einem Grundpreis und einem Verbrauchspreis, auch Arbeitspreis genannt, zusammen“, erklärt Uwe Kollmar, Geschäftsführer der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV-Energie) in München. Der Grundpreis sei eine verbrauchsunabhängige Gebühr, der Arbeitspreis hingegen werde in Cent pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) berechnet: „Wer viel Strom verbraucht, sollte einen Tarif mit möglichst niedrigem Verbrauchspreis wählen, während verbrauchsarme Haushalte den tariflichen Grundpreis möglichst klein halten sollten. Mehr Informationen gibt es etwa unter www.bev-energie.com. Auf der Seite wird auch erklärt, wie Verbraucher komfortabel den Stromanbieter wechseln können. Der jeweils neue Anbieter übernimmt den Großteil der Formalitäten des Wechsels für den neuen Kunden, etwa auch die Kündigung beim bisherigen Anbieter.

 

Die Stromrechnung als Wundertüte: Im Gegensatz etwa zur Telefonrechnung wird beim monatlichen Abschlag nur für einen geschätzten und nicht für den tatsächlichen Verbrauch gezahlt.
Die Stromrechnung als Wundertüte: Im Gegensatz etwa zur Telefonrechnung wird beim monatlichen Abschlag nur für einen geschätzten und nicht für den tatsächlichen Verbrauch gezahlt.
Foto: djd/BEV/shutterstock/Liderina

 

Abschlagssystem könnte sich ändern

2020 könnte es beim derzeit gültigen Abschlagssystem zu Änderungen kommen. „Denn dann ist gesetzlich vorgeschrieben, dass intelligente Smart Meter in alle Haushalten eingebaut werden müssen“, so Uwe Kollmar, Geschäftsführer der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV-Energie) in München. Mit den Smart Metern lässt sich der Stromverbrauch sekundengenau ermitteln. Sie bestehen aus einem digitalen Stromzähler und einem Kommunikationsmodul, das die ermittelten Daten an den Versorger überträgt. Damit wird das jährliche Ablesen des Stromzählers überflüssig. Auch die Datenübermittlung in umgekehrter Richtung ist möglich. Künftig sollen Kunden ihren Verbrauch damit präziser steuern und etwa Zeiten günstiger Strompreise besser nutzen können.

 

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